"Wer oder was bin ich wirklich?" - Das ist hier die Frage

☸ڿڰۣ—☸ڿڰۣ ☸ڿڰۣ—☸—☸ڿڰۣ ☸ڿڰۣ—☸ڿ ☸ڿڰۣ—☸

Das Wissen ebenso wie die Erfahrung, dass traumatisierende Kindheitserlebnisse sich auf das Leben eines Menschen auswirken, ist nicht neu, wenn auch nicht jedem bewusst.

In der therapeutischen Praxis werden diese Erfahrungen in dem Begriff des inneren Kindes zusammengefasst.

Das übliche Ziel der Inneren-Kind-Arbeit ist es, die alten Verletzungen zu heilen bzw. die unerfüllten Bedürfnisse retrospektiv zu befriedigen - durch den jetzt Erwachsenen.

Das scheinbare Problem bei diesem Vorgehen ist nur, dass es geläufige Praxis wurde, sich im Rahmen dieses Prozesses mit dem inneren Kind zu identifizieren und in der Phantasie positive Elternfiguren zu erschaffen, die dem Kind geben, was es schon so lange ersehnt.

Der liebe- und respektvolle Umgang mit dem kleinen Ich, das Erlauben, Hören und angemessene Erfüllen seiner Gefühle und Wünsche ebenfalls wie das Schaffen eines Bewusstseins und Akzeptanz für die persönliche Leidensgeschichte ist, so sehe ich es, ungemein heilsam und schafft eine zutiefst gesunde Unabhängigkeit.

Zugleich stellt Stephen Wolinsky in seinem Buch "Die dunkle Seite des inneren Kindes" mit Recht die Frage, ob diese Vorgehensweise tatsächlich das Problem löst, da im Leben der meisten Menschen das innere Kind eh das Ruder in der Hand hat, d. h. es besteht bereits eine sehr leidvolle Identifikation mit dem kleinen Ich, die dadurch noch verstärkt wird.

Was meine ich damit? Ganz einfach: So wie ich es bisher wahrnahm, leben die meisten Menschen in Trance, d. h. sie halten sich für dieses kleine verletzte Ich. Sie handeln nicht wie Erwachsene, sondern geben nur vor, erwachsen zu sein (man könnte hier, in Anlehnung an die Anonymen 12-Schritte-Gruppen, von "Erwachsenen Kindern" sprechen) und wiederholen dadurch unbewusst kontinuierlich alte, sehr leidvolle Kindheitsmuster.

Anders ausgedrückt: Die meisten Menschen haben als Kind keine bedingungslose, erfüllende Liebe erfahren. Das bedeutet, sie haben gelernt, dass sie so, wie sie sind, nicht in Ordnung sind, und haben, um zu überleben und das bisschen Zuwendung, das noch zur Verfügung stand, nicht zu verlieren, die Glaubens- und Verhaltensmuster der Eltern oder anderer Bezugspersonen mechanisch übernommen.

Diese Art von Selbstverleugnung ist mit unerträglichen Qualen verbunden, die im Körper gespeichert und zugleich so gut versteckt und verborgen werden, dass der Mensch selbst nichts mehr davon weiß. Und so entsteht die Sehnsucht nach Erlösung. Bis dahin leben diese erwachsenen Kinder nicht ihr eigenes, sondern ein fremdes, sehr begrenztes Leben, darum bemüht, nie wieder diesen alten Schmerz zu erleben, auf Kosten von Authentizität, echtem, inneren Frieden und der einem gesunden Menschen eigenen Entdeckungs- und Lebensfreude. Die Folgen sind verheerend und nicht nur auf den einzelnen Menschen begrenzt: Ich behaupte sogar, dass die enormen Probleme, vor die sich die Menschheit schon lange und gerade auch jetzt gestellt sieht (Umweltverschmutzung und -katastrophen, Gewalt, Kriminalität, persönliche, lokale, nationale und internationale Konflikte, Armut, bereits bestehende und drohende Kriege, Sucht, Krankheiten, ja, Seuchen etc.) darauf zurückgehen.

Erst eine Desidentifikation, d. h. das Sehen, dass er nicht diese alte Geschichte, nicht das kleine Ich und die damit verbundenen enormen Qualen, Mangelgefühle, Ängste, Schmerzen, Gefühle, Gedanken, Wünsche und Kompensationsstrategien ist, kann die ständige Re-Inszenierung beenden.

In anderen Worten: Aus Dem heraus leben, was du wirklich bist, heißt sich von der Sucht, Angst und dem Stress zu lösen, das Leben zu managen, zu kontrollieren oder zu vermeiden. Und zwar in jeglicher Hinsicht!

Das ist die einzige klare und eindeutige Dehypnose!

Damit meine ich allerdings nicht, dass die Geschichte und alten Gefühle erneut verdrängt werden sollen – im Gegenteil - sondern, dass erst einmal Klarheit geschaffen werden muss, dass es sich hier nicht um Jetzt-Gefühle, sondern um die Re-Inszenierung einer alten Wirklichkeit handelt, die ins Bewusstsein, ans Licht kommen, liebevoll umarmt, und als Das erkannt werden möchte, was sie wirklich ist: Bedingungslose Liebe, die in einer Zeit, in der du nicht anders konntest, zärtlich für dein Überleben sorgte – bis du bereit und in der Lage bist, zu sehen, dass Das, was du wirklich bist, viel größer ist und dass diese alte Geschichte jetzt nicht mehr gebraucht wird.

Einige Therapeuten haben diesen Ansatz von Wolinsky, der bei Nisargadatta in Satsang ging, in ihrer Inneren-Kind-Arbeit ansatzweise aufgegriffen. So spricht Mike Hellwig in seinem sehr praxisnahen Buch "Befreie dein Inneres Kind" von der Nichtidentifikation mit dem Inneren Kind und nimmt eine klare Unterscheidung von Innerem Kind und Heutigem Erwachsenen vor. Zugleich ist diese Desidentifikation "nur" eine mentale, emotionale und körperliche. Dahinter steht nicht das klare, verkörperte Sehen, was Mensch auch und vor allem ist: Stille, bedingungslose Liebe, unendlich weiter Raum, Nichts und Alles zugleich. Selbst Wolinsky nimmt keine klare Desidentifikation vor, sondern verkompliziert die Angelegenheit durch die Schaffung eines künstlichen Beobachters und vieler innerer Kinder. In seinem kürzlich erschienenen Buch „Traumaheilung durch radikale Erlaubnis“ empfiehlt Mike Hellwig die von ihm entwickelte Methode dazu, traumatische Gefühle zuzulassen und ins “Auge des Orkans” vorzudringen. Das klingt erst einmal vielversprechend, allerdings wurde ich beim Lesen des Buches das Gefühl nicht los, dass ein traumatisiertes inneres Kind dieses Buch geschrieben hat - nicht die Stille.

Kurz: Die meiste therapeutische Arbeit bleibt auf den Glauben beschränkt, es gäbe jemanden, der die Wahl hat, jemanden, der etwas bewirken, vermeiden, gewinnen oder verlieren könnte. Sie geht nicht darüber hinaus. Sie hilft dem Klienten ein gewisses Bewusstsein für seine Kindheitsthemen zu bekommen, auch kurzfristig die emotionale und körperliche Ladung aus den meisten herauszunehmen, sich selbst damit liebevoll anzunehmen, ja, sogar ihren Realitätsgehalt zu hinterfragen, aber vollzieht nicht den eigentlich befreienden Schritt: Das Sehen, dass es nie ein Problem gab, weil Das, was du bist und ich bin, immer schon heil ist, dass da niemand ist, der ein Problem lösen kann oder muss, bzw. dass alles, was du in der Lösung des Problems suchst, bereits ist - jetzt, während du diese Zeilen hier liest.

Erika J. Chopich und Margaret Paul übernehmen in ihrem, wie ich finde, sehr warmherzigen und umfassenden Buch „Aussöhnung mit dem inneren Kind“ bereits eine erweiterte, über den menschlichen Körper hinausgehende Sichtweise und legen die wesentlichsten Glaubenssätze des inneren Kindes sehr anschaulich dar. Allerdings steht auch hier keine eindeutige Desidentifikation bzw. kein klares Sehen dahinter. Das ist auch durchaus logisch: Denn nur ein Therapeut, der diesen (scheinbaren) Schritt bereits vollzogen hat, kann auch darin Begleitung sein, davon sprechen und schreiben – aus eigenem, direktem Erleben und Sehen.

Umgekehrt fiel mir auf, dass im Satsangbereich viele Anbieter darin steckenbleiben, NUR darauf hinzuweisen, dass all das eine Geschichte ist. Das heißt, sie leugnen unbewusst, sei es aus Unwissenheit oder einem ungelösten Trauma heraus, dass ein Trauma nicht nur eine mentale Fixierung, sondern eine Erfahrung ist, die noch immer im Körper ebenso wie im Gehirn gespeichert ist und sehr wohl – wirkt, und nicht bewusst gesteuert werden kann, solange die Zusammenhänge nicht klar sind, und damit die Aufmerksamkeit unwillentlich immer wieder aus dem Moment abzieht, weshalb vermutlich manche Therapeuten zu dem Schluss kamen, dass viele "Erleuchtete" ziemlich abgehoben daher kommen.

Aber, auch wenn ich bei einer Re-Aktivierung eines Traumas dringend davon abrate, damit in einen reinen Satsang zu gehen, da dies sogar eine Verstärkung der Symptome, eine Dissoziation und tiefe Verzweiflung mit sich bringen kann, hat das ja mehr damit zu tun, dass viele Satsanganbieter davon (noch) keine Ahnung haben bzw. den Abwehrmechanismen ihrer eigenen Traumata aufsitzen und nicht, dass Satsang an sich abgehoben ist.

Im Gegenteil: Jeder Mensch ist Nichts UND Alles, Gott und Mensch zugleich. Sich nur als Nichts oder göttlich zu sehen, ist also ebenso einseitig, wie sich nur als Mensch bzw. Körper zu sehen, oder nur ins Fühlen zu gehen. Keine Methode kann das klare Sehen ersetzen, bewirken oder verhindern. Aber klares Sehen, das sich nicht verkörpert hat, ist ebenfalls weit weg von Dem, was gerade ist, und damit abgehoben und arrogant.

Und: Jeder Moment ist neu und jeder Mensch hat im jeweiligen Moment andere Bedürfnisse. Bei manchen geschieht irgendwann - wie bei mir – ein klares Sehen und Jahre später erst werden bisher verdrängte Traumata aufgearbeitet. Manche ruckeln zwischen Traumaaktivierung und - entladung und tiefen Einsichten hin und her bis plötzlich ein erstes Sehen geschieht etc. Bei wieder anderen geschieht ein erstes Sehen, aber die danach aufsteigenden Ängste lassen sie schnellstens wieder zurück in gewohnte Bahnen gehen, was allerdings nun doppelt leidvoll ist.

Deshalb entstand bei meiner Arbeit die Verbindung von Satsang, Therapie und Coaching, die ich als sehr kraftvoll und flexibel erlebe, da sie alle Bereiche menschlichen Seins umfasst: Die spirituelle, körperliche, emotionale und mentale. Insofern kann ich ganz auf die Erfordernisse jedes Einzelnen eingehen, d. h. wenn Satsang gefragt ist, findet Satsang statt, wenn Traumaarbeit ansteht, begleite ich die innere Stabilisierung (Ressourcenarbeit) und/oder die emotionale bzw. körperliche Entladung eines Traumas - vielleicht sogar bis zur Desidentifikation.

Und ich freue mich über jeden, der dafür offen ist, ebenfalls alle diese Bereiche in und um sich wahrzunehmen und willkommen zu heißen anstatt sie unbewusst zu verleugnen oder zu verdammen.

Zugleich ist auch Das bedingungslose Liebe, die so spielt, und damit absolut vollkommen.

(aus: "Das innere Kind und die Stille", E-Book von Gabriele Rudolph)

☸ڿڰۣ—☸ڿڰۣ ☸ڿڰۣ—☸—☸ڿڰۣ ☸ڿڰۣ—☸ڿ ☸ڿڰۣ—☸

Rückmeldungen zum Text in facebook:

Felix, 13.10.16:
Wolinsky ist für einen Laien sehr schwer zu verstehen. Ich habe das Buch "Die dunkle Seite des inneren Kindes" vor Jahren gelesen und mir vieles daraus aufgeschrieben. Aber ich glaube nicht, das ich "alles" verstehen kann.
Dein Beitrag von heute ist wieder großartig und um ihn noch besser zu verstehen, werde ich ihn mehrmals lesen. Nicht lesen müssen, sondern lesen dürfen.
Herzlichen Dank!

Melanie, 13.10.2016:
Ich bin unglaublich begeistert von Ihrer Arbeit, allein nur durch dieses zu lesen werden innerlich verstaendnis und prozesse in gang gesetzt. Wirklich Schön!

Petra, 15.10.2016:

Danke für deine wunderbaren Beiträge zu diesem Thema. Ich habe schon viel lernen dürfen. Habe meine Familiengeschichte aufgearbeitet und mich mit mir ausgesöhnt. Vielen Dank.

☸ڿڰۣ—☸ڿڰۣ ☸ڿڰۣ—☸—☸ڿڰۣ ☸ڿڰۣ—☸ڿ ☸ڿڰۣ—☸

Die Freie Innere-Kind-Arbeit nach Gabriele Rudolph ist auch ein wesentlicher Teil der
Ausbildung zum Freien Coach, Trauma- und Inneren-Kind-Therapeuten.

☸ڿڰۣ—☸ڿڰۣ ☸ڿڰۣ—☸—☸ڿڰۣ ☸ڿڰۣ—☸ڿ ☸ڿڰۣ—☸

Einzel-/Paarsitzung  Sattsang  Workshops   E-Books  Ausbildung

☸ڿڰۣ—☸ڿڰۣ ☸ڿڰۣ—☸—☸ڿڰۣ ☸ڿڰۣ—☸ڿ ☸ڿڰۣ—☸


Das innere Kind und die Stille | Traumata als Tor zur Freiheit | Beziehung - Wie geht Liebe wirklich?
Der freie Coach - Werde selbst Wegbegleiter | Sei still und lass dich vom Leben beschenken!
Den Körper durch Liebe heilen | Bist du es dir wert, glücklich zu sein?
Home | Über Mich | Aktuelles | Kontakt | Lexikon | Impressum