Sicherheit und Geborgenheit

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Wesentlich bei allen Traumata ist, zu sehen, dass der betroffene Mensch sich in einer für ihn als überfordernd oder zutiefst bedrohlich erfassten Situation befunden hat.

Das heißt,
das erste, was nach Erleben von Bedrohung oder nach der Reaktivierung eines Traumas (Retrauma) wesentlich ist, ist NICHT, ihm zu helfen, diese mental zu rekapitulieren oder zu erfassen, sondern ihm das Gefühl zu geben, er ist sicher und geborgen.

Anders ausgedrückt, er braucht das Gefühl, die Gefahr ist vorüber, es kann ihm nichts mehr geschehen. Ich nenne das auch „Entwarnung“. Dazu gehört auch, eventuelle Trigger zu vermeiden, solange das Nervensystem in Alarmbereitschaft ist. Da vor allem Lärm und Licht schnell eine Überforderung auslösen können, rate ich meinen Klienten dazu, alle Geräusch- und Lichtquellen, die das Nervensystem triggern, so weit wie nur möglich auszuschalten.

Wesentlich ist deshalb auch: Solange ein Mensch noch in einer gewalt- und missbrauchsbereiten bzw. tabuisierenden Umgebung lebt, macht Traumaarbeit keinen Sinn, da seine Überlebensanteile alles tun werden, um ihn zu schützen und jeglicher Versuch, ihn aufzuklären, eine Überforderung darstellt. Eine traumatisierende Familie bzw. Umgebung sollte deshalb möglichst schnell verlassen bzw. eine schützende Umgebung angeboten werden.

Eine Traumaaktivierung kann unterschiedlich stark auftreten. Ist ein Mensch hochgradig alarmiert, voller Angst, sehr schreckhaft und wenig belastbar liegt vermutlich ein hoher Grad an sympathischer Aktivierung (Fight-and-flight-Modus) vor. Ist er hingegen ganz stumpf, fast apathisch und spricht über sein Trauma wie wenn er gar nicht daran beteiligt gewesen wäre, liegt gewöhnlich ein hohes Maß an Aktivierung des nicht-myelinisierten Vagussystems (Immobilisation/Zusammenbruch) vor.

Kann ein Mensch über ein Trauma sprechen, dabei seine Gefühle relativ gut äußern und wahrnehmen, äußert auch Betroffenheit, verfügt aber zugleich über ein gutes Maß an Distanz etc. liegt hingegen eine leichte Aktivierung vor. Dies ist wichtig, um zu entscheiden, wann man wie mit einem Klienten arbeitet.

Bei einer aktuellen starken Traumaaktivierung wird zuallererst folgendes gebraucht: Menschliche Zuwendung, Präsenz, Zuhören, praktische Unterstützung Einfache menschliche Zuwendung wie Zuhören, in den Arm nehmen, einfach nur da sein, dabei helfen, Alltägliches zu bewältigen, kann eine große Hilfe sein. Meiner Meinung nach gibt es fast nichts Heilsameres – nicht nur bei einem reaktivierten oder gerade durchlebten Trauma, als liebevolle, menschliche Zuwendung bzw. einfaches Zur-Verfügung-Stehen (ruhige Präsenz).

Es gibt Forschungen, die belegen, dass auch bei körperlichen Krankheiten liebevolle mütterliche, d. h. auch und vor allem körperliche Zuwendung (In Arm nehmen, Massieren, Streicheln, Wiegen, mit dem/der Betroffenen in einem Bett schlafen und ihn/sie halten) die Heilung beschleunigt.

Das ist auch durchaus aus der Geschichte der Entstehung von Traumata heraus zu verstehen. Die meisten Traumata sind frühkindlich und entstehen aus Mangel an körperlicher, mütterlicher Zuwendung. Wenn diese nachgeholt wird, findet gewöhnlich sehr schnelle Heilung statt.

Dazu kommt, dass wir Menschen soziale Tiere sind und liebevolle Anteilnahme, aufmerksamer Blickkontakt und körperliche Zuwendung unser Bindungssystem aktiviert und das Nervensystem beruhigt. Man kann die heilsame Wirkung menschlicher Anteilnahme und ruhiger Präsenz in diesem Zusammenhang nicht genug betonen.

Hierbei ist zu beachten, nichts zu tun, was dem Betroffenen Angst macht oder unangenehm ist. Sofortige Berührung, ohne abzuchecken, ob das Gegenüber offen dafür ist, kann Ängste auslösen. Wenn eine (Re-)Traumatisierung stattgefunden hat, ist ein Mensch hochsensibel für jede Form von Übergriff, die für ihn erneute Gefahr und damit eine Neumobilisierung des Traumas bedeutet.

Es ist also gut, sich ihm wie einem sehr scheuen, hochsensiblen Tier zu nähern, das selbst am besten spürt und weiß, was es braucht und genau darauf zu achten, welche Bedürfnisse er selbst äußert.

Anders ausgedrückt: Es ist absolut kontraindiziert, einen traumatisierten Menschen wie einen hilflosen Idioten zu behandeln, der nicht weiß, was gut für ihn ist. Ein reaktiviertes Trauma ist kein Problem, das es schnell und effektiv zu lösen gilt. Es ist vielmehr die Einleitung zu einem
sanften, behutsamen Heilungs- und Bewusstseinsprozess, der den Betroffenen zu mehr Freiheit und persönlichem Wachstum begleitet.

Ich würde sogar sagen, ein Körpergeistsystem, das in der Lage und bereit war, ein Trauma aus dem Unbewussten hochkommen zu lassen, ist zutiefst privilegiert! Würde das bei mehr Menschen geschehen, die ihre Traumata dazu noch aufarbeiten, hätte die Erde weniger Probleme!

Kluge Satsang-, therapeutische und Besserwissersprüche betonen ein Oben und Unten und sind deshalb auf keinen Fall hilfreich! Man suggeriert dem Betroffenen dadurch nur, dass er minderbemittelt ist, anstatt ihm zu spiegeln, was wirklich stattfindet und ihn zu ermutigen, sich zu entspannen und dem Prozess bzw. auch seiner eigenen Wahrnehmung und natürlichen Körperintelligenz zu vertrauen.

Sollte kein fürsorglicher Mensch zur Verfügung stehen oder Sie keine Gesellschaft wünschen, ist es natürlich auch möglich, sich selbst liebevoll zu verwöhnen.

Anders ausgedrückt: Wenn Sie das Bedürfnis nach Zuwendung von Außen haben und es ist möglich sie zu bekommen, ohne dass sie selbst dabei unter Druck kommen, nehmen Sie sie in Anspruch! Das ist gut und richtig so. Man könnte auch sagen, das Leben holt da etwas für Sie nach. Wenn es aber nicht möglich ist, weil kein Mensch in der Nähe ist, mit dem Sie sich sicher und geborgen fühlen, bzw. weil sie sich mit sich alleine am Sichersten fühlen, dann ist auch das vollkommen in Ordnung.

Sie haben in sich alles, was Sie brauchen, um ein Trauma zu heilen.

(aus: Endlich frei! - Traumata als Tor zur Freiheit" von Gabriele Rudolph, mehr zum E-Book hier.)

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