Wie verhindert man die Entstehung von Traumata bei Kindern?

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Zuallererst: Was ist ein Trauma?

Ein Trauma ist eine Situation, in der du dich als Kind mit einer Situation (Pränataler Stress, Geburtstrauma, Frühkindlicher Entzug von Körperkontakt, ärztliche Eingriffe, Unfall, Vernachlässigung, Verlassenwerden etc.) plötzlich total überfordert, bedroht oder alleingelassen gefühlt hast.

Der natürliche Zustand überschäumender Lebensfreude wurde ersetzt durch den unerträglichen Schmerz der Trennung. Das einzige Mittel, um kundzutun, dass etwas falsch läuft, war es, zu weinen bzw. zu schreien oder dich körperlich zu versteifen.

Da diese Kundgebung nicht wahrgenommen oder verstanden wurde, d. h. da keine lindernde Reaktion erfolgte, wurde der Schmerz so überwältigend, dass er nach und nach durch ein Schutzverhalten (Dissoziation, körperliches Sich-Anspannen, Schreien bis zur Erschöpfung, Erstarren, Hilfloses Aufgeben etc.) ersetzt wurde, das dazu diente, das Erlebte zu verdrängen und weiter zu "funktionieren". Es sicherte in dieser Situation dein Überleben und Wohlbefinden.

Vermutlich gehört die Geburt zu den stärksten Angstserfahrungen eines Menschen. Es gibt allerdings auch Traumata, die pränatal, d. h. vor der Geburt, im Leib der Mutter, entstehen. Das heißt, die tiefsten Traumata entstehen, in der Zeit vor und bis zu neun Monaten nach der Geburt. Als Erwachsene erinnern wir uns daran gewöhnlich nicht bewusst. Diese Erfahrungen sind allerdings im emotionalen Gehirn gespeichert und entziehen sich daher dem Zugriff des bewussten Denkens, Wahrnehmens und des sprachlichen Ausdrucks.

Weshalb ist das Wissen darum so wichtig?

Sie mögen sich fragen, warum das nun so wesentlich ist, dass ich mehrere Seiten meiner Homepage damit fülle. Ganz einfach: Weil ein so frühes Trauma das Leben eines Menschen häufig bis zu seinem Tod dramatisch bestimmt. Denn gerade weil es uns nicht bewusst ist, hat ein Trauma die Neigung, sich immer wieder aufs Neue zu re-inszenieren - in allen Bereichen unseres Lebens. Man könnte sagen, umso traumatischer der Lebensbeginn bzw. die ersten neun Monate danach sind, desto stärker ist die Neigung, diese leidvolle Erfahrung später kontinuierlich zu wiederholen - einfach weil der Organismus die noch nicht abgeschlossene Erinnerung liebevoll heilen möchte.

Dazu kommt, dass wenn ein Paar ein Baby bekommt, häufig alte Verletzungen, Ängste, Blockaden und Traumata der Eltern, die diese mit ihren eigenen Eltern erfahren haben, an die Oberfläche drängen - häufig mit großer Heftigkeit - um zu heilen. Da Erwachsene verdrängen können, Säuglinge aber nicht, kann das Kind nicht anders als die Gefühle und Schmerzen, die die Eltern verdrängt haben, zu übernehmen bzw. für sie wieder zu erleben.


Woran erkennt man, dass ein frühes Trauma bei einem Baby oder Säugling vorliegt?

Dies zeigt sich u. a. in Symptomen wie häufigem Schreien ("Schreikind"), Weinen, Stottern, Spucken, einer frühen Form des Autismus etc.

Man weiß heute, dass Kinder, die in Familien(verbänden) aufwachsen, die das Baby die ersten acht bis neun Monate am Körper tragen und nachts im gleichen Bett mit ihnen schlafen, so gut wie nie weinen oder schreien.


Was sind die Ursachen?

In noch ursprünglich lebenden Völkern läuft die Geburt sehr natürlich ab, d. h. es findet kein Einsatz von Medikamenten oder ärztlichen Eingriffen statt. Und die Mutter hatte einen riesigen Familienverband um sich, der hilfreich zur Seite steht, so dass nicht alle Verantwortung auf ihr bzw. ihr und ihrem Partner lastet.

Anders ausgedrückt: Eine solche Mutter hatte unglaublich viel Unterstützung, vor, während und nach der Geburt und konnte sich entspannt den Dingen des Alltags widmen und sich jederzeit Hilfe holen, wenn sie es brauchte, während die heutigen Mütter, v. a. die Alleinerziehenden, häufig vollkommen überfordert sind.

Viele Eltern, v. a. Mütter, reagieren an dieser Stelle mit Schuldgefühlen. Aber wir leben - um es offen und klar auszudrücken - in einer Gesellschaft von Menschen, die sich weit von sich selbst, ihrem Herzen und ihren natürlichen sozialen Instinkten entfernt haben. Kurz: Wie kann eine Mutter, die so wenig Unterstützung von Außen bekommt und selbst traumatisiert ist, schuldig sein? Und wenn wir schon von Schuld sprechen, dann gehören dazu auch die emotional wie physisch häufig total abwesenden Väter wie all die Eltern und Vorfahren dazu, die ihre Traumata an die nachfolgenden Generationen weitergegeben haben.

Aber vor allem: Es gab noch keine Zeit, in der Menschen so offen waren, die Erkenntnisse der pränatalen, natalen und postnatalen Psychotherapie aufzunehmen, noch nie so viele Eltern, die bereit sind, ihre Kinder in den ersten neun Monaten liebevoll Tag wie Nacht am Körper zu behalten, die Signale ihrer Kinder für voll zu nehmen und ihre alten Themen mit ihnen aufzuarbeiten.

Somit: Ein weiterer Grund, warum mir diese Themen sehr am Herzen liegen, ist: Weil tatsächlich meiner Ansicht nach viele Probleme unserer heutigen Welt (innere und äußere Konflikte, Bindungsängste, Angst- und Panikstörungen, Stress, Burnout, Co-Abhängigkeit, Gewalttätigkeit, Kriege, Umweltverschmutzung, Konsumverhalten, Süchte etc.) darauf zurückzuführen sind, dass die meisten Menschen traumatisiert sind.

Das heißt: Sie haben den Kontakt zu Dem verloren, was sie wirklich sind, und damit zu ihren ganz natürlichen sozialen Instinkten, ihrer Liebes-, Bindes- und Glücksfähigkeit.

Dadurch sind sie nicht in der Lage, auf die natürlichen Erwartungen (v. a. sofortiger Körperkontakt nach der Geburt, Getragenwerden während den ersten sechs bis acht Lebensmonaten des Kindes, Mitschlafen im Bett etc.) eines neugeborenen Kindes bzw. auf das unbedingte Bedürfnis nach Eigeninitiative und Selbständigkeit im heranwachsenden Kind zu antworten. Seine ursprünglichen Bedürfnisse werden nicht befriedigt.

Es fühlt sich konsequenterweise zutiefst verlassen, einsam, vernachlässigt und entwickelt anstatt des ganz natürlichen und gesunden Wohlgefühls und Selbstvertrauens eines geliebten, getragenen und gehaltenen Kindes Überlebens- und Vermeidungsstrategien, die ihn - oft ein ganzes Leben lang - vergeblich nach Liebe, Glück, Halt, Geborgen- und Sicherheit im Außen - d. h. nach dem Wohlgefühl suchen lassen, das ihm ganz natürlich eigen ist.

Auf diese Art traumatisierte Kinder bleiben auch als Erwachsene ihr Leben lang abhängig von Zuwendung und Bestätigung von Außen - auf der ständigen Suche nach dem scheinbar verlorenen Glück. Sie bilden ungesunde Glaubenssätze aus und sind dadurch oft angespannt, rastlos, hypersensibel, neigen zu Ängsten und/oder Depressionen, Sucht bis hin zu Gewalt bzw. entwickeln chronische körperliche Symptome (nervöse Störungen, Sprech- und Schlafstörungen, Haut- und Magen/Darmprobleme bis hin zu Krebs)

Es gibt allerdings Möglichkeiten, ein einmal geschehenes Trauma wieder zu heilen bzw. das ursprüngliche Wohlbefinden bei Kindern wie Erwachsenen bewusst wieder herzustellen.

Zugleich finde ich es erstrebenswert, ein Trauma von vorneherein zu vermeiden bzw. es möglichst sofort zu heilen, damit es seine schädlichen Folgen nicht bis ins Erwachsenenalter entfaltet.

Wie geht das? Was kann ich tun?

Dazu gehört vor allen Dingen, dass es der Mutter vor, während und nach der Geburt sehr gut geht, d. h. dass sie genügend Unterstützung erfährt und damit der Geburt entspannt entgegensehen kann und während der Geburt das Vertrauen und die Kraft hat, die Schmerzen auch ohne Schmerz- oder sonstige Hilfsmittel durchzustehen.

Ich finde es zudem wichtig, dass eine Mutter lernt, zuallererst sich selbst zu lieben, gut für sich zu sorgen und sich alle Unterstützung zu holen, die sie braucht. Nur eine glückliche, entspannte Mutter ist eine gute Mutter!

Wesentlich ist auch eine Aufklärung darüber, wie Eltern mit dem Weinen ihres Kindes bzw. mit ihren eigenen inneren Reaktionen liebevoll umgehen können, wenn dieses Weinen sie an ihre frühkindlichen Traumata, Verletzungen und Problemen mit ihren eigenen Eltern erinnern. Es ist für das Kind wunderschön, wenn es spürt, dass es schamlos weinen darf, während es allerdings nicht mit dem Schmerz alleingelassen wird, sondern von der Mutter oder einem anderen Erwachsenen, mit dem es sich wohl fühlt, gehalten wird. Es ist für das Kind auch sehr unterstützend, wenn die Mutter ihren Tränen ebenfalls freien Lauf lässt, idealerweise ebenfalls gehalten von einer liebevollen, unterstützenden Umgebung.

Ich empfehle hier, sich so viel Hilfe zu holen, wie es nur irgend geht: durch Verwandte, Freunde, Nachbarn und natürlich auch professionelle Hilfe, v. a. wenn es um die Aufarbeitung von Traumata bei den Eltern und dem Kind geht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass schon eine Telefonsitzung eine enorme Lösung bei den Eltern und dem Kind gebracht hat.

Eine bewusste, therapeutisch eingesetzte Wiederholung des Geburtstraumas der Mutter, d. h. ein bewusstes Wiedererleben ihrer eigenen Geburt mit Hilfe von Menschen, die ihr bei dieser "erneuten Geburt" die Mutter und der Vater sind, die sie vielleicht nie hatte, kann tiefe Heilung bewirken. Und auch das nachträgliche Halten, Wiegen und Liebkosen heilt alte Wunden.

Allerdings möchte ich hier nicht versäumen, darauf hinzuweisen, dass es vor allem die Liebe der Mutter zu sich selbst und das Erkennen, dass sie, gleichgültig, was geschieht und geschehen ist, bedingungslose Liebe ist, nicht das kleine, traumatisierte, hilflos ausgelieferte Wesen, für das sie sich bisher hielt, d. h. das Erkennen, was du wirklich bist - das, was ich auch das Erwachen oder klares Sehen nenne - die tiefste Heilung ist, die je geschehen kann.

(aus: Endlich frei! - Traumata als Tor zur Freiheit)

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