Warum tut sich oft trotz jahrelanger klassischer
Trauma-, Körper- oder spiritueller Arbeit nicht viel?

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Zu mir kommen immer wieder Menschen, bei denen sich - trotz jahrelanger Traumaarbeit - nichts verändert hat, im Gegenteil, mehr als einmal waren meine Klienten zutiefst frustriert, enttäuscht, ja, retraumatisiert von der klassischen Traumatherapie und total überrascht, was sich dann in einer einzigen Sitzung „Freie Traumatherapie“ tat.

Warum das?

1. Weil es noch immer üblich ist, mit Traumata hauptsächlich mental zu arbeiten. Ich ahne, dass der Grund darin liegt, dass viele Therapeuten selbst zutiefst traumatisiert sind, sich dessen aber nicht nur nicht bewusst sind, sondern ihren Klienten gegenüber ihre eigenen Traumata unbewusst abwehren - ebenso wie viele spirituelle Lehrer, Gurus und Satsanganbieter.

Nur: Ein Therapeut oder spiritueller Lehrer, der seine eigenen Traumata nicht aufgearbeitet hat und weiterhin bearbeitet, hält seine Klienten bzw. “Schüler” in einer Art unbewussten Abhängigkeit, da er selbst nicht aus der Freiheit handelt, sondern aus der Abwehr des Trennungsschocks. Er sucht Liebe, Anerkennung und Zuwendung - durch den Klienten oder Schüler!

Dieser ist dadurch nicht in der Lage, sich den Schmerzen seiner Kindheit zu stellen, d. h. er hat kaum bis keinen Zugang zu seinem zutiefst traumatisierten Körper, von dem er sich ja abgetrennt hat. Aber
Traumata lassen sich nicht ohne den Körper lösen!

2. Nun gibt es seit Wilhelm Reich auch sehr viele körpertherapeutische Ansätze und Therapeuten, die es dem Klienten ermöglichen, das Trauma und seine Begleiterscheinungen im Körper aufzuspüren und zu entladen. Allerdings kann auch das jahrelang und wiederholt geschehen, ohne dass eine echte Veränderung im Alltag zu erkennen ist, d. h. die alten Muster werden weiter re-inszeniert und auch die körperlichen, oft chronischen Folgeerscheinungen bleiben.

Das hat meiner Beobachtung gemäß mehrere Ursachen: Eine rein körperliche wie emotionale Entladung ist sehr angenehm, aber damit hat der Klient den Ursprung seiner Probleme noch nicht durchschaut, seine Wünsche noch nicht in die Tat umgesetzt, und damit noch keine neuen Erfahrungen gemacht.

In anderen Worten, er löst kurzfristig die emotionale und körperliche Anspannung, lebt aber noch immer mit den in ihm jahrelang gefestigten körperlichen, Glaubens-, Verhaltens- und Kompensationsmustern. Denn diese sind fest im Körpergeist verankert und müssen bis zu ihrem Ursprung verfolgt werden. Es muss durchschaut werden, welche Erfahrung er wie genau abwehrt - bis zum Ende.

Und es ist wichtig für ihn zu erkennen, wie er sich davon abhält, seine Wünsche und Ziele umzusetzen, kurz: glücklich, zufrieden und auf seine ganz eigene Art erfolgreich zu sein.

Sonst bleibt er weiter seinen Eltern und den erfahrenen Traumata treu, nicht Dem, was ganz natürlich in ihm, aus der Stille, erscheint. Er identifiziert sich also weiterhin mit dem traumatisierten, verlassenen, sich ungeliebt fühlenden, inneren Kind und seinen Abwehrstrategien und projiziert diese Themen eifrig auf seine Außenwelt, auch auf den Therapeuten, der ihn womöglich sogar noch darin bestärkt.

Kurz: Nichts mit Bewusstheit, Authentizität und Leben in der Gegenwart! Das innere Kind, und damit seine Vergangenheit, haben ihn fest im Griff. Der innere Erwachsene ist hypnotisiert (siehe hierzu das E-Book „Das innere Kind und die Stille“ von Gabriele Rudolph).

Erkenntnis allein - und mag sie noch so tief sein - bewirkt meiner Erfahrung gemäß kaum etwas. Es braucht die emotionale, körperliche und mentale unmittelbare Erfahrung des Ursprungstraumas - aus der Stille! Und dadurch das Sehen, dass du all das nicht bist, ja, nie warst.


Es braucht also eine klare, eindeutige Desidentifikation
.

3. Und diese kann eben nur geschehen,
wenn er sich der körperlichen, emotionalen wie mentalen Muster bewusst wird, ja, wenn er sich mit diesen “anfreundet”, d. h. Mitgefühl für sie und sich entwickelt. Solange er sie bewusst oder unbewusst abwehrt, haben sie Macht über ihn. Das heißt, erst, wenn er - immer und immer wieder - klar sieht, dass er NICHT dieses traumatisierte innere Kind, noch die damit erworbenen Gedanken, körperlichen Spannungsmuster und die abgewehrten Gefühle ist, sie aber zugleich - ebenfalls immer wieder - vollkommen zulassen, und bis zu Ende ansehen und fühlen kann, können sie sich auflösen.

4. Aber
nur ein/e TherapeutIn, der/die diese Prozesse selbst durchlaufen hat, bei dem/der Erwachen geschehen ist, das sich zudem bereits verkörpern konnte, kann dich darin begleiten, mit all dem zu sein, anstatt sich damit immer wieder neu zu identifizieren. Ein Begleiter, der dort noch nicht steht, wird bestimmte Erfahrungen deshalb bei sich und damit bei seinem Klienten unbewusst abblocken.

Logisch, oder?

All das erst schafft den Raum, vollkommen neue Erfahrungen zu ermöglichen und diese dann auch im Alltag umzusetzen. Und: Der Körper dient immer weniger als Speicher für die abgetrennten Gefühle und muss nicht mehr die sich ständig wiederholenden inneren Spannungszustände “verdauen”. Somit kann auch er sich im wahrsten Sinne des Wortes “entspannen”.

5. Ein ebenso wichtiger Punkt, den ich im Rahmen der Freien Traumatherapie immer wieder betone, ist die
Förderung der Eigenwahrnehmung, Selbstständigkeit und Selbstregulationsfähigkeiten des Klienten in den Sitzungen. Ein Therapeut, Coach oder spiritueller Begleiter darf einen Klienten nicht von sich abhängig machen oder davon abhalten, sich selbst, seine Gefühle und Bedürfnisse wahr zu nehmen, sein Toleranzfenster für Stress zu erweitern, kurz: sich zu entwickeln, auch wenn das bedeutet, dass er sich von ihm weg entwickelt.

Denn das ist zutiefst gesund! Das Gegenteil ist auf Dauer ungesund.
Hilfe zur Selbsthilfe ist deshalb ein wichtiger Punkt, ebenso wie ihm nichts abzunehmen, was der Klient bereits selbst kann und ihn nur in den Angelegenheiten zu “bemuttern”, in denen der Klient ausdrücklich darum gebeten hat oder offensichtlich noch nicht in der Lage ist, sich selbst zu helfen.

Ich nenne das “Der Klient arbeitet, nicht ich.” :)

Das heißt aber auch: Ein guter Therapeut darf und kann bei einem Klienten, der Kind bleiben will und hofft, dass irgendjemand im Außen für ihn tut, was er selbst nicht bereit ist, für sich zu tun, nichts ausrichten. Denn das ist sein gutes Recht.

Der Auftrag und die Initiative des Klienten sind das Motoröl. Besteht kein echter Auftrag oder tiefes, freiwilliges Engagement, ist es, meiner Erfahrung gemäß, gut, die Finger davon und damit die Verantwortung für sein Wohlbefinden beim Klienten zu belassen.

6. Dazu ist wiederum nur
ein/e TherapeutIn in der Lage, die/der sich nicht mehr mit dem bedürftigen, inneren Kind identifiziert und deshalb nicht aus einem unbewussten Mangel, der Abwehr von Hilflosigkeit oder einer Verlustangst heraus handelt.

Anders ausgedrückt: Es geht nicht darum, mein Helfersyndrom und damit mein Ego zu kultivieren, mir Anerkennung und Bestätigung zu holen oder meine Einnahmen auf Kosten des Klienten zu steigern, ebenso wenig wie die heimlichen Hoffnungen meines Klienten zu unterstützen, er käme mit weniger als seinem ganzen Einsatz davon, sondern den Klienten einzuladen, sich selbst, seine Fähigkeiten, Gefühle und Bedürfnisse zu entdecken, für sich einzustehen, zu wachsen und sich zu ent-wickeln.

Man könnte auch sagen, ich muss die Hoffnung des Klienten darauf, dass er die ideale Mama oder Papa, die er in seiner Kindheit vermisst hat, irgendwann außerhalb seiner selbst findet, gründlich enttäuschen, ja, ihm helfen, sie endgültig zu begraben und ihren Verlust zu betrauern.

Denn Ziel der Freien Trauma-Arbeit ist ein lebendiger, freier, gesunder Erwachsener, der in sich selbst, in Dem ruht, was er wirklich ist bzw. bereit und in der Lage ist, mit allem zu sein, was in und um ihn erscheint - voller Mitgefühl, Beharrlichkeit und Geduld.

7. Und von wem kann er das am Besten lernen wenn nicht von einem Menschen, der genau das schon lange und noch immer selbst lebt? Auch für mich war es an bestimmten Punkten meiner Entwicklung enorm wichtig, mit einem Menschen zu sein, der genau das lebte, was in mir reifen wollte - gewissermaßen ein
lebendiges, fühl-, sicht- und unmittelbar wahr- und überprüfbares Beispiel - nicht nur in Form von Texten und klugen Sprüchen. Und der sich dessen auch bewusst ist und mir durch sein bloßes Sein, das viel tiefer und stärker wirkt als Worte und Lehren, vermittelt, was ich suche. Und der mir auch natürliche, echte, nicht nur konzeptuelle Grenzen setzt.

8. Zuletzt ist es auch elementar, für einen Therapeuten zu erkennen,
*
was für ein Trauma ein Klient gerade bearbeitet, da jedes Trauma eine andere Art des Herangehens erfordert, und
*
wo der Klient in seinem Prozess gerade steht, um organisch mit ihm mitgehen zu können.

9. Und:
Die Beziehung zwischen Klient und Therapeut, d. h. auch die Chemie und der Rapport spielen eine große Rolle! Meiner Erfahrung gemäß braucht es eine echte Liebes- und Vertrauensbeziehung zu einem Therapeuten, Mentor oder Lehrer, um wirkliche Transformation zu erfahren.

Nur wenn wir in Liebe sind, zuallererst mit uns selbst, aber auch mit dem Menschen, von dem wir (ver)lernen wollen, sind wir dazu bereit, über unsere Gewohnheiten, Ängste, Widerstände und Schmerzen hinauszugehen, uns zu trauen, uns zu zeigen und dadurch neue Erfahrungen zu machen anstatt die alten zu wiederholen.

Ein Therapeut mag gefällig oder finanziell günstig sein, dich verwöhnen und dir angenehme Erfahrungen vermitteln. Er mag dir auch das Gefühl geben, dass du endlich mal etwas für dich tust. Aber wenn seine Art zu sein, zu arbeiten und zu leben dich nicht tief berührt, viel klärt und aufräumt, investierst du viel Zeit für nichts.

10. Und zuallerletzt ist Freude ein wichtiges Element. Die Freude daran, dich zu entdecken, immer tiefer und besser kennenzulernen, dich auszuprobieren, Fehler zu machen, zu (ver)lernen, mit dem Therapeuten auch mal zu kabbeln, deine Grenzen auszutesten etc.

Ohne Freude und Spiel ist alles nichts. :)

Das mag nun alles ein wenig aufwändig klingen. Ist es aber gar nicht, da dieser Prozess organisch geschieht. Das heißt, die meiste Arbeit geschieht ohne den Therapeuten und - man glaube es nicht - fast wie von selbst. Ein wirklich guter Therapeut wird nur gebraucht, um dich
in den Prozess einzuführen und dir zu zeigen, wie du dich dabei am besten selbst begleitest und, vor allem, was die Fallen sind, auf die du achten musst.

So brauchen die meisten Menschen bei mir gewöhnlich erst einmal nur ein oder zwei (Telefon- oder persönliche) Sitzungen, in denen sie neue Erfahrungen machen, die sie dann - in ihrem Alltag ausprobieren bzw. integrieren können - oder auch nicht.

Manche kommen auch über eine gewisse Zeit immer wieder, v. a. wenn es gerade “brodelt” und manche immer wieder mal, um neu entstandene Fragen, Verirrungen oder Probleme zu klären, sich gewissermaßen mit meiner Hilfe immer wieder neu zu kalibrieren und dabei wieder neue Erfahrungen zu machen und umzusetzen - je nachdem wie stark der Drang zu wachsen und sich zu entdecken ist.

Und manche brennen lichterloh und wollen erst wieder damit aufhören, wenn alles Wesentliche geklärt ist :)

Denn: Sich selbst entdecken, kennenlernen und zu erforschen, wie sich das Gelernte in den Alltag umsetzen lässt bzw. was dich bisher daran hinderte, macht Spaß (wenn nicht, ist was schief!) und wird vom Leben enorm unterstützt - einfach, weil es natürlich und gesund ist! Man könnte auch sagen - es geht wie von selbst. :)

Und: Deine Selbstregulations- und Bewältigungsfähigkeiten wachsen dabei eifrig mit. Auch dein Körper dankt es dir. Denn er fühlt sich um Kilos leichter und enorme, bisher in den Traumata gebundene, Energien werden frei.

Na, Lust auf eine Entdeckungsreise oder darauf, zu lernen, Menschen auf einer solchen zu begleiten?

Sei herzlich willkommen!

(aus: "Endlich frei! - Traumata als Tor zur Freiheit" von Gabriele Rudolph)

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