Angst- und Panikattacken - Ein Fallbeispiel

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Ein Mann erschien zu einer Einzelsitzung und erzählte mir, dass er in letzter Zeit den Eindruck hat, dass etwas mit ihm „verkehrt“ sei. Er käme mit den einfachsten Alltagsdingen gerade nicht mehr zurande geschweige denn mit seiner Frau und seinen Kindern.

Ich fragte genauer nach. So berichtete er, dass er oft von zu Hause aus am Schreibtisch arbeitete und er dann plötzlich heftige Panikanfälle erlebe, die ihn völlig schachmatt setzten.

Ich frage ihn, ob er einen Auslöser sehen könne. Er meinte, dass kürzlich ein sehr starker Geruch durch das Fenster an seinem Schreibtisch eingedrungen sei. Dieser hätte die Panik ausgelöst. Nach weiterem Nachfragen stellte sich heraus, dass der Geruch aus dem unter dem Arbeitszimmer liegenden Wäscheraum hervorgedrungen sei. Jemand hätte dort wohl frisch gewaschene Wäsche aufgehängt und der Geruch drang direkt durchs Fenster zu ihm ins Arbeitszimmer.

Was geschah in diesem Mann? Er nahm den Geruch des wohl ziemlich reichlich verwendeten Waschmittels wahr und fühlte sich plötzlich existentiell bedroht. Panik brach aus, der Körper zitterte, es war ihm nicht mehr möglich, in Ruhe seine Arbeit weiterzuführen, einfach nur das Fenster zu schließen oder in Ruhe die Ursachen für den Geruch herauszufinden.

Er war vollkommen aus der Fassung und wusste auch nicht wie er da wieder herausfinden könne.

Warum? Der Waschmittelgeruch hatte ein altes Trauma aktiviert. Dieses versetzte den erwachsenen Mann in eine Innere-Kind-Trance und weg war er.

Hier liegt nun eine sehr starke Re-Aktivierung eines Traumas vor. Es ist also wichtig, dem Klienten erst einmal zu helfen, wieder im Hier und Jetzt anzukommen, sich zu beruhigen und ihm das Gefühl der Geborgenheit zu geben, Ressourcen in ihm zu aktivieren, kurz: ihn zu stabilisieren.

Man darf hier unter keinen Umständen ins Fühlen gehen oder mental weiterarbeiten, da dies die Reaktivierung verstärken würde. Dies kann zum Zusammenbruch des Nervensystems führen.

Um dies zu verhindern, ist es auch elementar, zu lernen, wie man ein re-aktiviertes Trauma körperlich entlädt. Dafür gibt es sehr effektive Körperübungen ebenso wie eine sehr einfach zu handhabende Form der Klopfakupressur, die jederzeit und an jedem Ort relativ unauffällig angewandt werden kann, falls die Reaktivierung an einem öffentlichen Ort auftritt.

Ebenso wesentlich ist es, einen Bezug zu dem herzustellen, was ich „Stille“ nenne. Das kann enorm dazu beitragen, wieder eine gesunde Distanz zu dem Geschehen in ihm zu finden.

Manchmal ist aber auch das dem Klienten zuviel und da hilft dann manchmal einfach nur zuhören, da sein, mitfühlen, ihm - soweit möglich und erlaubt - die Hand halten oder in den Arm nehmen. Kurz: Einfache menschliche Zuwendung.

In anderen Worten: Erst wenn er von selbst wieder den Wunsch verspürt und äußert, weiter hinzusehen, würde ich den nächsten Schritt machen.

Das ist ein sehr wichtiger Punkt, da ein Klient gewöhnlich sehr viel besser weiß, was für ihn gut ist als der Therapeut – ein Fakt, den Therapeuten ebenso wie Satsanganbieter gerne mal übergehen und damit etwas tun, was ernsthaft Schaden anrichtet. Sie vermitteln ihm, dass sie ihn nicht für fähig halten, sich selbst wahrzunehmen und einzuschätzen, was er braucht.

Gerade in dieser Phase ist das absolut kontraindiziert, da er sich eh für wenig wertvoll oder fähig hält und häufig Scham- und Schuldgefühle mit im Spiel sind - weil er ja selbst merkt, dass da einiges schief hängt. Ein Therapeut hingegen, der an dieser Stelle sehr liebevoll und behutsam vorgeht, ihn ermuntert, sich selbst und seinen Fähigkeiten zu vertrauen, ist da ein Segen. Das ist allerdings nur möglich, wenn sich der Therapeut/Satsanganbieter nicht unbewusst selbst in einer Helfer- bzw. Lehrertrance befindet, d. h. wenn er nicht selbst seine Hilflosigkeit vermeidet.

Aber zurück zu dem Fall: Da der Klient zwei Wochen später um eine weitere Sitzung bat, testete ich also erst einmal behutsam, wo er stand. Aber es bestand kein Grund zur Sorge. Es ging ihm schon viel besser. Sein Selbstvertrauen war gestärkt durch die Erfahrung, dass er mithilfe der Körperübungen mit alldem auch ohne Hilfe von außen gut umgehen konnte und er wollte unbedingt wissen, was da mit ihm passiert sei.

Kurz: Er war hochmotiviert.

So fragte ich ihn, ob er sich an ein traumatisches Ereignis in seiner Kindheit erinnere, das diese Gefühle ausgelöst haben könnte? Ihm kam spontan, dass er als Baby in einer Tagespflegestätte untergebracht worden war, da seine Mutter alleinerziehend war und arbeiten gehen musste. Dort war er stundenlang, obwohl er vor Hunger schrie und weinte, einfach liegengelassen worden.

Der Glaubenssatz, den er damals bildete, war, dass er es nicht wert sei, beachtet zu werden und dass er sterben müsse. Der Geruch löste dieses Trauma wieder aus. Sofort fühlte er sich existentiell bedroht und ging in Katastrophenvorstellungen. Da er eh davon ausging, es nicht wert zu sein, dass man sich um ihn kümmerte und er sich für dieses kleine Kind von damals hielt, war er wie gelähmt. Und da er als Kind weder flüchten noch kämpfen konnte, erstarrte er vor Angst vor dem drohenden Tod.

Katastrophenvorstellungen sind neben Phantasieren, Planen und Rechtfertigen eine gute Methode, um sich aus der Gegenwart wegzubeamen und sich in Angst und Schrecken zu versetzen.

Wie das geht?

Ganz einfach: Du projizierst dich in eine gedachte Zukunft und stellst dir eine Katastrophe vor. Die Wirkung folgt auf den Fuß: Sofort ist Angst da, der Magen krampft sich zusammen, der Nacken-Schulter-Bereich verspannt sich, der Körper beginnt zu hyperventilieren, der Hals brennt, Schweißausbrüche folgen etc.

Nur: In Wirklichkeit ist das, was er sich vorstellte, ja noch gar nicht geschehen. Er leidet also an den Folgen einer Vorstellung, nicht daran, dass das, was ihn erschreckte, wirklich eingetreten ist.

So bat ich ihn, das, was er getan hatte, als er den Geruch wahrnahm, ganz bewusst wieder zu tun: Sich also die Katastrophe, die er herannahen sah, bewusst vorzustellen, den Körper anzuspannen etc.

Das war offensichtlich sehr vergnüglich für ihn: Erst schien ihn schon der Gedanke zu verängstigen, das zu tun, aber als er damit begonnen hatte, brach er in ein fröhliches Gelächter aus, sein Körper entspannte sich spontan und er war auch in der Lage, den Beginn der Trance danach sofort zu erkennen, zu unterbrechen und die schon angetaute Energie im Körper zu entladen, bevor sie mehr Schaden als nötig anrichtete.

Aber vor allem führte es dazu, dass er erkannte, dass ER die Trance re-inszeniert hat und wie. Denn gewöhnlich gehen die meisten Menschen davon aus, dass all das mit ihnen geschieht. Sie sehen sich als ein Opfer der Umstände.

In anderen Worten: Sie nehmen das innere Kind, das bisher auf Autopilot fuhr, wieder in Besitz.

Ein weiterer wesentlicher Faktor dabei war für ihn zu sehen, dass diese Trance in IHM erschien, dass er nicht dieses kleine, verängstigte, erstarrte Kind, noch seine Gefühle und Gedanken ist.

Die meisten Menschen reagieren darauf mit tiefer Erleichterung - mit Recht: Denn erst, wenn das wirklich klar ist, endet die Macht dieser Inneren-Kind-Trance!

Kurz: Wir sahen uns an, was diese Trance erzeugt, WAS sie sieht, WAS von ihr sprechen kann, d. h. WAS in Wirklichkeit handelt, spürt und zugleich zutiefst still ist: Das, was er wirklich ist, Stille, bedingungslose Liebe, unendlich weiter Raum.

Seine Aufmerksamkeit kam nach Hause.

Das bedeutet: Die Wahrnehmung wird weit, Ressourcen werden wieder zugänglich. Von dort aus wird auch klar gesehen, dass kein Problem existiert bzw. dass das eigentliche Problem die Identifikation mit dem verletzten, verlassenen inneren Kind bzw. einer alten, eingefrorenen Erfahrung ist, nicht der Geruch.

Allerdings weiß ich nicht, wie er das Problem mit dem Geruch gelöst hat. Auf jeden Fall schien er dafür keine Sitzung mehr zu brauchen. :)

Angewandte Methoden:

Körper-, Trauma-, und Innere-Kind-Arbeit, Sattsang

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