Die Begegnung mit Krankheit und Tod

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Alles, was mit dem Gefühl des Bedrohtseins einhergeht, kann tiefe Hingabe oder ein Trauma auslösen.

Unbedeutendere Krankheiten wie ein Schnupfen oder eine Grippe sind uns häufig unangenehm, lösen aber gewöhnlich keine tieferen Prozesse aus. Wir (er)dulden sie gewissermaßen ohne genauer hinzusehen.

Wenn wir aber vor eine Diagnose gestellt werden, die uns mit der Vergänglichkeit des Körpers konfrontiert, dann kann das sehr starke Prozesse auslösen, da nichts mehr scheint wie vorher.

Es bringt uns in Kontakt mit Gefühlen wie Angst, Ohnmacht und Bodenlosigkeit ebenso wie mit dem Wunsch, mit den Dingen sauber abzuschließen, die in unserem Leben noch nicht aufgeräumt sind.

Menschen, die alles, was ihnen wichtig war, als solches erkannt, ganz und gar er- und durchlebt haben, d. h. Menschen, die immer wieder gestorben sind und dadurch wirklich gelebt haben, haben damit meistens kein so großes Problem damit wie Menschen, die wissen und spüren, dass sie Wesentliches übersehen, Bedürfnisse und Wünsche bzw. Schmerzhaftes aus Unwissenheit, Stolz oder Überheblichkeit vermieden haben.

Die bewusste Konfrontation mit der Vergänglichkeit und Verletzlichkeit des Lebens macht uns ehrlicher, demütiger, klarer und liebevoller.

Ich habe nie wirklich verstanden, warum viele Menschen Aspekte ihres Daseins vermeiden, bis ich selbst einmal sehr krank wurde. Und tatsächlich zeigte mir die Konfrontation damit, dass ich davon ausgegangen bin, dass da jemand ist, der das Leben steuern kann.

Anders ausgedrückt: Die Konfrontation mit dem physischen Tod machte meinem Kopf sehr klar deutlich, dass da niemand ist, der die Kontrolle hat, der etwas lenken, erreichen oder vermeiden kann.

Es traf mich echt wie einen Blitzschlag - dass ich niemand Besonderes bin.

Dabei ist das total offensichtlich: Der Tod trifft jeden Menschen und jedes Wesen. Auch „mich“!

Mannomann! Wo ich doch bis dahin - ohne dass es mir wirklich bewusst war - zu glauben schien, ich sei Jemand besonders Kluges, Jemand, der weiter ist, Jemand, der über den Dingen steht!

Ja, das war sehr demütigend für dieses Köpfchen und zugleich erleichternd in dem Sehen, wie schön es ist, so total zurückgeworfen zu sein auf das Wesentliche, den Moment, die Liebe, Das, was gerade wirklich ist. Nichts mehr mit Zielen und Traumerfüllung in der Zukunft! Die Begegnung mit dem Tod brachte meine Aufmerksamkeit – ganz unmittelbar und ohne Umwege – nach Hause.

Und dort ist es so tief still, so unendlich weit und erfüllt von allem. Nichts schien mehr zu fehlen. Wow!

Auch zeigte Es mir noch einmal ganz deutlich, wie alleine „ich“ wirklich bin und wie sehr ich beinahe mein ganzes Leben lang versucht hatte, diesem existentiellen Alleinsein ebenso wie dem Nichts- und Niemandsein zu entkommen.

Aber wer war es, der versuchte, zu entkommen? Das kleine Ich, das ich hier auch das Innere Kind nenne. Und warum? Weil es Allein-, Ausgeliefert- und Hilflossein als Kind als etwas zutiefst Überforderndes erfahren hatte und deshalb nie wieder erleben wollte.

Es hatte sich von sich selbst, Dem, was es wirklich ist, und damit aber auch von der Fülle und Lebendigkeit seiner Gefühle und Bedürfnisse abgeschnitten und gelernt zu glauben, dass es, das kleine Ich, für das Überleben des Körpers verantwortlich ist, d. h. dass es der/die Handelnde ist.

Was für ein Stress!

Es ist deshalb sehr entspannend für jeden, der mit Krankheit oder Tod konfrontiert wird, zu sehen, dass Das, was du wirklich bist, niemals bedroht werden kann.

In anderen Worten: Die Begegnung mit der Vergänglichkeit wird zu einem tiefen Erleben der Unendlichkeit und Schönheit Dessen, was ist, so wie es ist.

Das lindert auch die Angst und den Druck, die Krankheit zu bekämpfen bzw. schnell loszuwerden und hilft dem Körper, seine Arbeit zu tun, ohne noch mit zusätzlichem Stress konfrontiert zu sein. Denn dieser verfügt über erstaunliche Selbstheilungskräfte, die allerdings nur tätig werden können, wenn wir mit ihm gehen, nicht gegen ihn.

Dieses tiefe Sehen ist aber nur möglich, wenn keine Identifikation mit dem kleinen Ich bzw. mit dem Körper besteht, weil gesehen wird, dass Das, was du wirklich bist, Stille, bedingungslose Liebe, endlos weiter Raum ist.

Wenn das bei dir nicht der Fall ist, kann es hilfreich sein, angesichts einer schweren Krankheit bzw. des Todes, von Freunden oder einem Therapeuten begleitet zu werden, die keine Angst vor dem Tod, vor Hilflosigkeit und Ohnmacht haben, da sie kein Thema damit haben werden, dass du krank bist, dir keine Angst machen und deshalb keinen Druck auf dich ausüben, schnell wieder gesund zu werden.

Das gilt übrigens für alle Themen, die dir in irgendeiner Weise Schwierigkeiten bereiten. Nur ein Begleiter/eine Begleiterin, für den/die das kein Thema ist, kann dich liebevoll und ohne Druck begleiten, da ein Mensch, der glaubt, jemand zu sein, bewusst oder unbewusst immer mehr oder weniger Druck ausüben bzw. Widerstand leisten bzw. der eigenen Hilflosigkeit ausweichen wird.

Denn ein ungehaltenes Ich hat panische Angst vor dem physischen wie psychischen Tod.

Wenn hingegen die Begleitung aus dem Raum der Stille kommt, d. h. Wenn dich niemand und alles zugleich begleitet, geht Das, was du wirklich bist, in Resonanz. Stille kommuniziert mit Stille, Liebe mit Liebe. Das ist sehr entspannend.

Man könnte auch sagen, dass allein das Bewusstsein Dessen, was du bereits bist, bzw. die Begegnung mit Menschen, die in diesem Bewusstsein ruhen, Balsam ist für das Köpfchen, das gelernt hat, dass es nicht genügt, einfach nur zu sein mit Dem, was ist.

So können in diesem Raum der Liebe all die Dinge erscheinen, die die Konfrontation mit der Vergänglichkeit des Physischen auslöst - Gefühle der Angst, der Einsamkeit, tiefer Schmerz, Schuldgefühle, Ohnmacht, Bodenlosigkeit - und in tiefer Liebe und Mitgefühl umarmt und als Das erkannt werden, was sie wirklich sind: Bedingungslose Liebe in dieser Gestalt.

Alles darf erscheinen. Nichts ist verboten. Das ist so unglaublich heil- und erholsam und räumt alles auf, was die Selbstheilungskräfte des Körpers blockiert. Kein Kampf mehr.

Und: In dieser Liebe für dich selbst und allem, was in dir erscheint, bist du auch für deine Umwelt ein Segen. Denn wer sich selbst mit allem liebt, ist auch sehr klar, authentisch und liebevoll mit seinen Mitmenschen.

Übrigens, um Missverständnissen vorzubeugen: Zu sehen, dass Das, was du bist und ich bin, nicht stirbt, heißt nicht, dass man nicht zum Arzt oder Heilpraktiker geht, sich informiert, was dem Körper gut tut und ihm behutsam oder auch manchmal grob hilft, sich selbst zu helfen.

Im Gegenteil! Erst dann stehen dir alle Ressourcen zur Verfügung, um klar wahrzunehmen, was ansteht und was nicht, was dem Körper gut tut und was nicht.

Und das bewusste Nichts-und-Alles-Sein verhindert auch nicht, dass Ichen und mit ihm eben all die Gefühle erscheinen, die ich oben beschrieben habe. Es erleichtert aber den Umgang mit dem Ichen sehr, denn die Stille ist ihm das echte, ehrliche Gegenüber und gibt ihm den Halt, die Zuwendung und Geborgenheit, die es als Kind so sehr vermisste.

(aus: Das innere Kind und die Stille von Gabriele Rudolph)

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